Repräsentation und Eignung

Arbeitsbereich

Repräsentation und Eignung

Der Arbeitsbereich untersucht die Personalpolitik der Polizeien des Bundes und der Länder. Dazu werden die strategische Kommunikation der Polizei bei ihren Rekrutierungsmaßnahmen, die Auswahlverfahren und -kriterien für den Polizeidienst sowie die Zusammensetzung des rekrutierten Personals in den Blick genommen. Eine juristische Studie widmet sich dem Verhältnis von Repräsentation und Eignung im Verfassungs- und Beamtenrecht.

Teilprojekte

Der Teilbereich A1 untersucht die aktuellen Nachwuchskampagnen der Polizeien des Bundes und der Länder. Dabei liegt der Fokus auf der zielgruppenspezifischen Ansprache der Kampagnenkonzepte, vor allem hinsichtlich berücksichtigter Diversität sowie der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit der Polizeien. Dieser Teilbereich soll evaluieren, wie die Nachwuchswerbung hinsichtlich Diversität und Wettbewerbsfähigkeit optimiert werden kann, um den Polizeien entsprechende Handlungsempfehlungen geben zu können.
Um jenes Ziel zu erreichen, gliedert sich der Teilbereich A1 in zwei Erhebungsblöcke. Im ersten Block werden die aktuellen Kampagnenkonzepte zur Nachwuchsgewinnung hinsichtlich Ihrer Konzeptionierung analysiert. Darauf aufbauend werden Experteninterviews mit einigen Strategen geführt, welche die Kampagnen konzeptionierten. Aufbauend auf den bis hierhin erhobenen Daten wird im zweiten Block ein Eyetracking-Experiment zur Wirkung einzelner Videomaßnahmen durchgeführt. Das Sample setzt sich aus Oberstufen-Schülerinnen und Schülern zusammen, welche die Hauptzielgruppe der Nachwuchswerbung darstellen. Im Anschluss an das Experiment erfolgen in Kooperation mit dem Teilbereich A2 Interviews mit einigen polizeiinternen Verantwortlichen der Personalgewinnung.

Dieses Vorgehen soll einen Rundumblick auf die Konzeptionierung polizeilicher Nachwuchskampagnen ermöglichen. Dabei wird es durch regelmäßigen Austausch mit Verantwortlichen der Personalgewinnung auf Tagungen und Workshops gestützt, um einen möglichst reellen praktischen Bezug herzustellen.

Verantwortliche Mitarbeiterin: Maike Kreyenborg
Artikel 33 II Grundgesetz (GG) legt fest, dass jeder Deutsche „nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte“ hat. Aus organisationssoziologischer Sicht schließen an diesen Grundsatz zwei Themenbereiche an: Zum einen fällt der Blick auf die polizeiliche Nachwuchssicherung und die Frage der Ausgestaltung und Entwicklung von Auswahlprofilen und Auswahlverfahren. Zum anderen wird der Themenbereich des gleichen Zugangs zum Amte und damit der Bereich repräsentativer Personalpolitik und nicht-diskriminierender Einstellungsverfahren angestoßen. Der Grundsatz der Bestenauslese und des gleichen Zugangs stehen hier in einem Spannungsverhältnis, welches bei der Personalauswahl um die Dimension der konkreten Anforderungsprofile für die verschiedenen Laufbahnen des Polizeidiensts erweitert wird.

Der Teilbereich A2 beschäftigt sich organisationssoziologisch, konventions- und demokratietheoretisch mit dem Spannungsverhältnis, das sich aus Art. 33 II GG für die Nachwuchssicherung und Personalpolitik der Polizei ergibt. Er geht erstens der Frage nach, ob und auf welche Weise eine repräsentative Personalauswahl als Legitimationsleistung der Polizei gegenüber der eigenen Bevölkerung gedeutet und als solche in einer pluralisierten Gesellschaft umgesetzt werden kann.

Dazu wird – unter Berücksichtigung der behördlichen Erfassungsmethodik – eine statistische Auswertung der Zusammensetzung der Bewerbungen und Neueinstellungen sowie der Belegschaft unternommen. Außerdem werden die Ausgestaltung und Entwicklung der Eignungs- und Befähigungsprüfung, sowie die Ausgestaltung und Entwicklung von Auswahlverfahren und Anforderungsprofilen seit 1990 systematisch ausgewertet.

Dabei geht es insgesamt um den Wandel und die Ausrichtung organisationspolitischer Ziele und Verfahren; individual-psychologische Befunde oder Empfehlungen zur Person-Job-Passung sind nicht angestrebt.

Schließlich werden die Ergebnisse dieses Teilbereichs für die Analyse des professionellen polizeilichen Selbstverständnisses herangezogen (vgl. Bereich C). Der Fokus liegt dabei auf dem Stellenwert sozial-kultureller Kompetenzen und dem Umgang mit Differenz.

Verantwortliche Mitarbeiterin: Sabrina Ellebrecht
In der juristischen Teilstudie A3 wird der Zugang zum Polizeidienst aus rechtlicher Perspektive untersucht. Sein verfassungsrechtliches Fundament findet sich in Art. 33 II Grundgesetz (GG):

„Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.“

Art. 33 II GG enthält eine gleichheitsrechtliche Dimension, die insbesondere Ungleichbehandlungen auf Grund von Kategorien wie Geschlecht, Herkunft oder ethnischem Hintergrund verbietet.

Daneben beinhaltet Art. 33 II GG das sogenannte Gebot der Bestenauslese. Dieses Gebot soll die Funktionsfähigkeit und Professionalität der öffentlichen Verwaltung sichern und dient dem öffentlichen Interesse an möglichst qualifizierten Beamtinnen und Beamten. Diese Dimension steht aber nicht notwendigerweise im Spannungsverhältnis mit der gleichheitsrechtlichen Dimension. Denn diskriminierende Strukturen, die etwa Bewerberinnen und Bewerber mit einem bestimmten ethnischen Hintergrund weniger erfolgreich machen, unterminieren auch das Leistungsprinzip, spielen doch Kriterien eine Rolle, die nicht lediglich daran anknüpfen, ob die jeweilige Bewerberin oder der jeweilige Bewerber eine möglichst gute Polizistin oder ein möglichst guter Polizist werden könnte.

An dieses Verständnis anknüpfend soll untersucht werden, inwieweit eine Sichtweise, nach der die Verwaltung in ihrer personalen Zusammensetzung ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellen soll, um so über die personale Repräsentation eine spezifische Legitimations- und Inklusionsleistung zu erbringen, im Grundgesetz angelegt ist. Um dieses verfassungsrechtliche Potential zu heben, wird das Kriterium der Eignung zunächst in seiner bisherigen Verwendung analysiert, um Anknüpfungspunkte für eine demokratie- und verfassungstheoretische Weiterentwickelung zu finden.

Verantwortliche Mitarbeiterin: Laura Wisser