Organisation und Differenz

Arbeitsbereich

Organisation und Differenz

Der Arbeitsbereich setzt sich grundsätzlich mit den spezifischen Anforderungen an die Polizei in der offenen, pluralisierten Gesellschaft auseinander. Hier wird übergreifend nach dem Umgang der Organisation Polizei mit Differenz gefragt. Welche Herausforderungen ergeben sich für die Polizei und ihr Mandat speziell durch die Pluralisierung der Gesellschaft? Und wie sollte die Polizei vor diesem Hintergrund ausgebildet und aufgestellt sein?

Teilprojekte

Der Zugang zum Polizeidienst sowie die sozial-kulturellen Kompetenzen in der Polizei werden in den Arbeitsbereichen interdisziplinär, d.h. sowohl rechts- und demokratietheoretisch als auch organisationssoziologisch und kommunikationswissenschaftlich analysiert. Hier unter Synthese und Analyse sollen die Ergebnisse dann zusammengeführt und auf das Thema der Polizei in der offenen Gesellschaft bezogen werden.
Neben der Frage, wie die Organisation Polizei mit Vielfalt umgeht, sie steuert und nutzbar macht, liegt eine wichtige Analyserichtung des Projekts auf der Ebene der Interaktionen im Polizeialltag. Gerade hier verändern sich durch die Pluralisierung der Gesellschaft auf Seiten der Polizei aber auch der Bevölkerung gewohnte Verhaltens-, Bewertungs- und Sprachweisen, was mitunter zur beidseitigen Verunsicherung in Interaktionssituationen führen kann.

Aus soziologischer Sicht ist gerade der Fokus auf die Alltagswelt besonders hilfreich. Diese strukturiert den Wahrnehmungs- und Handlungshorizont von Polizistinnen und Polizisten und stellt den Rahmen bereit, in dem im KollegInnenkreis übereinstimmend Sinn und Selbstverständnis für das eigene Handeln hergestellt werden. Gerade das Alltagshandeln beruht auf kulturellen Kompetenzen, die in der Praxis erworben, weitergegeben, verändert und wiederum in das Handlungsfeld eingespeist werden.

Aus diesem Grund rückt das Projekt neben institutionellen Veränderungsprozessen die Alltags- und Lebenswelt der Polizistinnen und Polizisten in den Fokus. Im Sinne einer verstehenden Soziologie wird hierzu die Perspektive der Handelnden und deren Alltagswelt eingenommen. Nur durch das Miterleben alltäglicher Handlungen kann die Bedeutung von Kultur und deren Veränderung angemessen beschrieben sowie durch eine vergleichende Analyse in Bezug zu den institutionellen Rahmenbedingungen gesetzt werden.

Forschungspraktisch folgt dieses Vorgehen einem ethnographischen Ansatz. Ethnographische Studien zielen darauf ab, durch Beobachtungen von Interaktionen und Handlungsabläufen nachzuvollziehen, wie Bedeutungen und Relevanzen in abgegrenzten Lebenswelten hergestellt werden. Die im Projekt geplanten ethnographischen Studien nutzen dabei unterschiedliche Erhebungsmethoden. Als zentrales Erhebungsinstrument werden offene und fokussierte teilnehmende Beobachtungen in unterschiedlichen Polizeieinheiten und mit unterschiedlichen Beobachtungssettings genutzt. Ebenso werden Interviews mit verschiedenen Partnern der Polizeien sowie die Sammlung und Analyse von Dokumenten in den Methodenpool integriert.